Interior-Design zum Hören Dima Geller - so klingt die moderne Reinkarnation des Cool Jazz gepaart mit lasziven Lounge-Sounds. Die neue CD Walking Through The Digel Town kommt daher wie ein auf Eis servierter Cocktail in einer mediteranen Sommernacht. Mit der neuen CD Walking Through The Digel Town des Projekts Digel Town ist dem Trompeter Dima Geller ein stilistischer Meilenstein gelungen. Er denkt weiter, was Künstler wie Miles Davis, die Popsängerin Sade oder Jazzmatazz eingeleitet haben. Irgendwo in einer mondänen Hotelbar dieser Welt, vielleicht auch in einem angesagten Lounge-Club, arrangiert Dima Geller ein perfektes Rendezvous, bei dem Jazz, Soul und Lounge-Music ihre Erfüllung finden. Gerade Miles Davis ist ein wichtiger Einfluss für sein Spiel gewesen. Nicht ohne Grund lautet die einzige Cover-Version des Albums ausgerechnet „My Funny Valentine“. Als hätte Geller im berühmten Café del Mar auf Ibiza Jazz-Trompete studiert, ist sein subtiler Sound an Coolness kaum zu übertreffen. Zwischen smoothen Grooves und schmeichelndem Gesang plaziert er eingängige Solos. Flüssig arpeggierte Figuren kontrastieren mit knackigen stakkato Sätzen. Mit einer Ausnahme („My Funny Valentine“) hat Dima Geller alle Tracks auf Digel Town selbst komponiert, arrangiert und produziert. Cremige Voicings von Gitarre und Rhodes in „Silver Rain“ umgarnen den Hörer genauso wie sphärische Sound-Collagen in „Lonesome At Your Side“. Herzerwärmende Balladen finden auf Walking Through The Digel Town neben geradezu tanzbaren Chill-Beats ihren richtigen Platz. Sein Stil erinnert an den Charme eines George Clooney und ist zugleich reizvoll wie James Bond - und zwar geschüttelt, nicht gerührt. Das „Volume“ von Walking Through The Digel Town ist von Track zu Track stufenlos regelbar zwischen bittersüßen, wohlgefälligen Lounge-Grooves und ausgewählten Essenzen des Cool-Jazz. Eben wie ein auf Eis servierter Cocktail. Er verzaubert und lässt die Zeit vergessen, würzt geschickt mit eleganten Grooves und zieht den Hörer unweigerlich in seinen Bann. Einige Tracks sind dermaßen funky, dass auch Vergleiche zu Größen wie Bootsie Collins oder Earth Wind & Fire naheliegen, aber nach dem Drücken der Play-Taste nicht mehr wirklich interessieren. Das Motiv der Vermischung verschiedener Stilelemente zieht sich wie ein roter Faden durch Gellers Leben und künstlerisches Schaffen. Denn noch nie wollte sich der Trompeter auf nur eine Sache festlegen. So liest sich seine Biografie wie ein Zeugnis der Flexibilität: nach dem Studium an den Hochschulen in Jerusalem, Berlin und Leipzig spielte er in mehreren Pop-, Fusion- und Soul-Projekten zusammen mit Musikern aus Israel, Russland, Griechenland und aus der Ukraine. Als Solist gewann er beim Yamaha Trumpet Contest 2004 den „Special Prize“ und als Mitglied der Musik-Akrobatik-Show „Balagan“ in 2006 den Kritikerpreis des Edinburgh Fringe Festival. Eingespielt wurde das Album in seinem Berliner Studio. Hervorragende Profi-Musiker wie die bezaubernde Sängerin Victoria Smotkin sorgen noch für das letzte Quentchen Feeling auf diesem Longplayer. Dima Geller wird demnächst live mit seiner Band zu erleben sein. Dieser Digel-Town-Cocktail hat nicht nur für Lounge- und Jazz-Fans das Potenzial zum absoluten Publikumsrenner: man will einfach mehr davon hören. Und man darf Dima Geller auch zu recht den Karl Lagerfeld der Lounge-Music oder den Smooth Operator unter den Jazzern nennen!