Solitude - Einsamkeit - erzählt eine Geschichte. Eine Geschichte, die schon häufig als Inspiration in vielen Kunstgattungen diente (in der Literatur, der Musik, der Malerei). Es ist die Geschichte des fabelhaften weiblichen Wasserwesens Undine, die in Varianten in zahlreichen Mythologien existiert - die wie andere Halbgötter und Fabelwesen erst durch die Vermählung mit einem Menschen eine Seele erhalten. Die Liebesbeziehung verläuft jedoch meist unglücklich. Rafael Baier komponierte hieraus ein Konzeptalbum mit zahlreichen magischen Momenten, seine Band - wie er ausgewiesene und begeisterte Soundtüftler - lässt daraus einen kleinen Klangkosmos entstehen, wie man ihn nur selten hört. Kategorisierungen hat sich das Ensemble gezielt verschlossen, bedient sich vielmehr bei allen Genres. Die Maxime war: es wird verwendet, was geeignet ist, die Geschichte mit Tönen zu erzählen. Das Erstaunliche ist, dass trotz der Mixtur aus Stilelementen des Pop, der Avantgarde, dem Jazz, dem Dancefloor etc. keine Beliebigkeit entsteht, sondern eine Art Gesamtkunstwerk. Einen erheblichen Anteil daran hat die charismatische, gefühlvolle Stimme der estnischen Sängerin Ingrid Lukas. Sie ist ein Glücksfall für ein ohnehin stimmiges Album - ihre Stimme ist gleichsam die Krönung des Werks. Die Mittzwanzigern hat Jazz- und Popgesang studiert und Erfahrungen in eigenen Bands und am Theaterhaus Zürich sammeln können. Der Workoholic Rafael Baier (Studium in Berklee bei George Garzone und Jerry Bergonzi, Theatermusikkomponist, Studio-Sounddesigner, Bandprojekte) hat die Band Metamorphosis mit Könnern bestückt: Piano-Überflieger Chris Gall (ACT), der wie er in Berklee studiert hat. Claudio Strebel, Bassist mit klassischer und Jazz-Ausbildung, spielte sowohl in der Jungen Philharmonie als auch in der Punkrockformation Lebenswert. Drummer und Berklee-Absolvent Jürg Mikula kann eine ähnliche Bandbreite an musikalischen Aktivitäten vorweisen. Dazu den DJ und Soundmagier Christoph Keller, und mit Willy Kotoun einen elder statesman, der in Kuba und USA studierte, seit vielen Jahren in der Schweiz lebt und dort als der vielseitigste Percussionist gilt. Und wenn nötig, werden Gäste wie das David Sonton String Trio oder der Posaunist Andreas Tschopp in einzelnen Tracks eingesetzt. Als Extra gibts noch einen Electronic\u002FLounge Club Mix oben drauf. Auch so kann Jazz im 21. Jahrhundert klingen!