Musik ist von Menschen gemacht und deshalb menschlich. Soweit klar. Und nun stell Dir vor, die Musik auf „Overdive“, dem neuen Album von Skydive.Naked, wäre selbst ein menschliches Wesen, das Du gerade erst kennen lernst. Dieses menschliche Wesen erscheint Dir zuerst wie ein hyperaktiver Kickboxer im Sparrings-Training, der Dir freundlich-jovial zuzwinkert – um im nächsten Moment Faxen zu machen, die Dich einfach zum Lachen bringen. Und es lacht sofort lauthals mit. Dann steigt das Wesen aus dem Boxring, um Dir eine Geschichte zu erzählen, die so märchenhaft schön ist, dass sie Dich zu Tränen rührt, Dich im Anschluss an den Haaren packt, auf sein Motorrad schleift und mit Dir einen Höllenritt durch die Schluchten der Großstadt vollführt. Das klingt natürlich überbordend pathetisch. Aber wie sonst sollte man das musikalische Werk von Skydive.Naked in Worte fassen? Vielleicht so, wie die Band es selbst beschreibt. Skydive.Naked aus Freiburg haben sich angewöhnt, auf Fragen nach ihrer musikalischen Ausrichtung mit folgenden Etiketten zu werben: „Pop-Grunge“ und „Retro-Progressive“. Was für eine Bandbreite dies bedeuten könnte wird auch nicht klarer, wenn man sich vorstellt, dass die in den bei beliebten Musikmagazinen beliebten vergleichenden Kategorisierungen vermutlich ungefähr so aussehen müsste: „Artverwandt: The Clash, Muse, Queen, Uriah Heep, The Sweet, Kiss, Cake, späte Red Hot Chili Peppers, frühe Foo Fighters, uswusf.“ Und dann tritt beim vorletzten Stück auch noch David Bowie durch die Tür und ins Rampenlicht. Wer's bis hierhin nicht geblickt hat, dem muss spätestens jetzt die „Skydive Philosophy“ einleuchten: Gute Musik muss Dich packen. An Bauch, Bein und Hirn. Diesem Motto huldigen Skydive.Naked auf hohem Niveau – und sie sind bei weitem mehr als eine reine Reinkarnation oder pure Alter Egos der genannten artverwandten Protagonisten. Natürlich ist die ausdrucksstarke Stimme von Oli Meier ständig präsent, schließlich ist „Overdive“ kein Instrumental-Album geworden. Aber die anderen Jungs von Skydive.Naked wollen und müssen sich nicht hinter ihrem genialen Shouter und Frontmann verstecken, hier gibt’s keine Egos, auch keine Alter Egos. Eine Band ist eine Band ist eine Band – das wird auch daran deutlich, dass Skydive.Naked seit 2002 in unveränderter Besetzung auf dem Markt ist. Apropos „Skydive Philosophy“: Neben den clever eingebauten Zitaten und Verweisen Richtung David Bowie und anderen werden in den Lyrics auch kurz Frank Zappa & The Mothers erwähnt. Auch dies natürlich eine augenzwinkernde Hommage. Nicht jedoch an Mastermind FZ, sondern an Deep Purple's „Smoke On The Water“. Und wer das Ausklang-Stück „Oblivion“ hört und an Frankenchrist von Dead Kennedys denkt, liegt zwar genauso richtig und zugleich falsch wie der, der tatsächlich Lust kriegt, als nächstes “Mama“ von Genesis aufzulegen. Man mag es kaum glauben und kann es noch weniger hören, dass hier tatsächlich eine deutsche Band am Werke ist. Was würden andere sagen? „Skydive.Naked brauchen internationale Vergleiche nicht zu scheuen.“ Wir sagen: Feierabend mit Lesen – starte endlich den Player!