A: PUMP Es war aber auch an der Zeit, werden viele denken: Ellen Allien, das Blumenkind des hauptstädtischen Indie-Techno, ist zurück im Club und legt bereits jetzt die Schienen für ihr noch in diesem Jahr erscheinendes Album. Doch statt sich lange mit Einleitungen, Vorspielen oder Warm-Ups zu befassen, nimmt „Pump“ einen tiefen Zug an der Nebelmaschine und drückt ohne Umschweife in die Peaktime. Sämtliche Glieder in epileptischer Bewegung, dreckig im Funk und so dicht geschichtet, dass einem das Strobo schon wieder viel zu langsam vorkommt. Da ist er also wieder, der Glanz der unendlichen Nacht. Die Systeme auf Abfahrt, rubbelt und kratzt dieses Biest übers Parkett, zuckt und beißt um sich, bis die Tanzfläche 5 Zentimeter tiefer liegt. Obenrum klingeln süß die Synthies, unten radiert die gnadenlose Bassline und die psychotisch wabernde Stimme drückt so unfassbar dröhnend nach vorn, dass einem bei der gutturalen Euphoriebekundung ein gleißender Lichtstrahl aus den geöffneten Lippen entfährt. „Because I love you“ singt Ellen, doch so zerhackt und maskulin nach unten gepitcht, wie dieses Vocal ankommt, hätte man auch auf Robert Owens durch den Vocoder tippen können. Irgendwie Detroit, irgendwie Berlin, aber irgendwie auch weit weg von allem, was man so kennt. So fühlt sich das wohl an, wenn man sich ganz dem Wahnsinn hingegeben hat. Doch trotz der omnipräsenten Streubewegung ordnet die gnadenlos crispe Snare immer wieder das Geschehen, während die einzelnen Elemente von dieser schwebenden Eleganz zusammengehalten werden, jener unverwechselbaren Signatur Ellen Alliens, die einen selbst im montäglichen Fall noch an Balletchoreographien eines Vaslav Nijinsky denken lässt. Stilvoll darniedersinkend wird hier noch einmal die tanzende Kollektiverfahrung transzendiert. Don’t dance by yourself. Nicht zu diesem Stück... B: FEEL LIKE Doch so massiv sich die A-Seite ausnimmt, so smooth und katzengleich streicht die Flip ums Schienbein. Mit jazziger Bassline hüpft „Feel Like“ auf einem Bein über die Afterhour und verbreitet eine Unbeschwertheit wie es sie wohl nur noch an der Spree zu finden gibt. Raumerfüllend rücken die Sounds langsam nach vorn, bis sie – ihrer fragilen Konstitution völlig bewusst – die Wände nach oben wuseln, um auf dem Weg zur Sonne noch einmal Wahnsinn und Glückseligkeit zu lecken. Der Synthie drückt, die Claps scheppern und der Rave will von der Leine gelassen werden. Muss aber gar nicht sein, wenn doch alles so easy und leicht vor sich hin tänzelt. Chicago lässt grüßen. Dann endlich möchte man meinen, erscheint die hauchzarte Feenstimme von Mme. Allien: „If you feel like...“ Ja wie denn? Wenn einem nur nicht immer so viel verrücktes Zeug durch den Kopf plinkern würde. Aber die bunten Aquarelle, die hier auf die Pflastersteine Richtung Afterhour gepinselt werden, verlassen in dem Moment, da sie ihre Konturen erlangt haben, vergnügt ihr beengendes Quadrat und zerstäuben sich gen Himmel. „I know you’re gonna dig this“ kommt als maskuline Antwort, aber wer bitteschön hätte es auch bezweifelt? Klar wagt sie es. Die verdrehten, nach hinten verbogenen Sounds pfeifen das Liedchen voll sperriger Einfälle und komplexer Arrangements, ohne auch nur einen Moment an spielerischer Heiterkeit zu verlieren. Das mach mal einer nach. Ein Song für die glückliche Verwirrung nie enden wollender Sonntagnachmittage.