Das Ende einer jeden Reise erzählt auch vom Ausblick auf einen neuen Anfang,einen nicht nur möglichen, sondern geradezu zwingenden Aufbruch. Die Aufnahmen zu A Tree Frog Tonality, schreibt John Lindberg in seinen Notizen,entstanden im österreichischen Graz - nach dem Abschluß einer Tournee durch Frankreich, Italien, Holland und die Türkei. Das Ensemble hatte über diese Zeit in seiner ästhetischen Haltung, seiner Neugierde und seinemSelbstverständnis zu einer bewundernswerten Geschlossenheit gefunden, wie man sie nur bei Gruppen kennt, die über die Jahre zusammen arbeiten; eine Geschlossenheit auch, die davon lebt, daß die inneren Widersprüche nicht besänftigt und geglättet werden. Denn John Lindbergs Musik bezieht ihre Faszination und ihren inneren Impuls aus der Individualität all der Ensemble-Mitglieder. So ist denn auch A Tree Frog Tonality nicht das Resümée einer Reise, sondern - wie bei jeder improvisierten Musik - die Momentaufnahme einer Bewegung des Übergangs. Denn eben auch darum geht es im Jazz: die Einzigartigkeit des Augenblicks festzuhalten, seine Emphase einzukreisen und den Blick auf noch Unvorhergesehenes und Kommendes zu schärfen. Bemerkenswert ist die Atmosphäre von Gelassenheit, die über den sechs Stücken liegt. Die großen Gesten weichen einer Intensität des Subtilen und Verhaltenen. John Lindberg und seine Musiker bewegen sich auf dem schmalen Grat, der freie Musik, die sich ihre eigene Form sucht, von gezieltem Formdenken trennt. Wie es sich gehört, übertreten sie die Grenze in beide Richtungen - je nach Anlage und Architektur der einzelnen Stücke. In jedem Augenblick spürt man den Drang der Musiker, die Musik zu gestalten, nach möglichen Formen zu suchen, die noch nicht besetzt sind von Erwartung, Routine oder den spezifischen Zeichen eines - wie auch immer gearteten -Selbstausdrucks. A Tree Frog Tonality schafft das eigentlich Unmögliche: Diese Aufnahme löst den scheinbaren Widerspruch der beiden Konzepte Musik als Prozeß und Musik als zielgerichtete Form spielerisch auf. Eine Leistung, die nicht hoch genug geschätzt werden kann.