Susan Screen Test sind gute Jungs. Sie beherrschen ihre Instrumente so, dass man guten Gewissens den Begriff Musiker verwenden kann. Die drei Herren aus Hamburg wissen um die Macht von Harmonien, produzierten ihr Debütalbum A Million Years Between Us komplett selber, leben Nietzsche, Spencer Brown, Evola und Crowley und setzen Huxley ein Denkmal: I don't want your comfort, I want God, I want poetry.[...] (Gina's Infection) Tim Panic und Dolby Surrender musizieren seit vielen Jahren zusammen, haben schon einige Drummer überlebt und legen keinerlei Wert auf Erwähnung ihrer richtigen Namen. Vor einem Jahr stieß Till van Daalen zur Band, bereichert damit die lustige Runde der Pseudonyme um einen echten Namen, der so cool ist, dass er stehen bleiben darf, und macht Susan Screen Test in ihrer aktuellen Besetzung komplett. Im Gespräch über Vorbilder und Brüder im Geiste fallen viele Namen. Von God Machine, Hüsker Dü über King Crimson bis zu Joy Division. Bei aktuelleren Namen wären wohl die Secret Machines, ...Trail of Dead und die großen Mars Volta zu nennen. Da der normale 3:30 Minuten - Song schon lange erfunden, püriert und vielfach wieder aufgekocht ist, widmet man sich der Schöpfung und Verfeinerung eines gepflegten Rausches. Nur Rohlinge denken hier an Alkohol und illegale Substanzen, Poeten jedoch wissen, worum es geht: Musik, in die man hineinfallen kann, die einen ein wenig hin- und herschubst, sanft in den Schlummer wiegt und einem anschließend wieder ans Schienbein tritt. Es geht nicht nur darum, unterhalten zu werden, es geht vor allem darum, zuzuhören. Easy Listening ist anders und geht schneller. Wer sich der Reisegruppe auf dem Susan Screen Test-Trip anschließen möchte, muss knapp 80 Minuten Zeit und mindestens ein wachsames Ohr mitbringen, um nichts zu verpassen. Deshalb wollen die Musiker selbst auch in den Hintergrund treten, man ist ja schließlich nicht zum Posen, sondern zum Spielen da und je weniger sich die Musik verstecken muss, desto mehr verlieren die Gesichter der Menschen, die sie machen, an Bedeutung. Eine Band, die man hinter einer dicken Wolke aus Trockeneisnebel nur schemenhaft erkennt, kann durchaus interessanter sein, spart jede Menge Diskussionen im Proberaum über Bühnenoutfits und lässt darüber hinaus mehr Raum für Interpretationen. Letzteres wird sich sowieso spätestens bei Songtiteln wie No One Saves New York von selbst einstellen. Gute Reise!