Wie viele mögen wohl behauptet haben, so etwas könne nicht funktionieren? Würden nicht divenhaft-stimmliche Grazie und kühl-funktionale Clubsound-Effizienz bei ihrem Kontakt miteinander reagieren wie Materie und Antimaterie? Vielleicht liegt aber genau hier das Geheimnis des spröden Charmes, der glamourös in Szene gesetzten Coolness, der nebulösen Unfasslichkeit von Aérea Negrot. Mit ihrer ersten Single ”All I Wanna Do” hat das venezolanische Stimmwunder im vergangenen Jahr alle Zweifler eines besseren belehrt und neben ihrer Karriere als Sängerin bei Hercules & Love Affair eine neue Plattform für ihre unbändige musikalische Ausdrucksvielfalt geschaffen. Jetzt erscheint ihre zweite 12 auf BPitch – gerade rechtzeitig zum eintunen auf das kommende Solo-Album. Für Produktion und Mix von Right Body, Wrong Time zeichnet sich ein weiteres Mal der Berliner Sound-Experte Tobias Freund verantwortlich. Er dreht seit über zwanzig Jahren für unterschiedlichste Künstler und Labels von Minus bis Warner die Regler und ist mit seiner Produktionsarbeit für Ellen Allien, Dance Disorder, Heartthrob und eben Aérea Negrot zu einer festen Größe im PBitch Soundkosmos gewachsen. A1 ”Miss U” startet mit klassischen 808-Drums und Offbeat-Bass recht verhalten, vermittelt aber sofort Aérea Negrot's einzigartigen Eklektizismus: Ihrer großartigen, bisweilen divenhaft-exaltierten Stimme wird mittels Tobias' Effekttrickkiste und Vocoder eine sehr eigenwillige Künstlichkeit vermittelt, die sich in seltsamen, fast jazzigen Harmonien immer weiter in die Höhe schraubt. A2 Childhood Dub” ist kaum wörtlich zu nehmen, denn die Bezugspunkte des entspannt tänzelnden Beats liegen eher in in Detroit als in Kingston. Aérea Stimme verleiht auch hier der klaren Struktur des Tracks eine außergewöhnliche Expressivität, die immer wieder für flüchtige Momente vom Strobolicht in greifbare Nähe gerückt wird. Der Opener der Flipside B1 ”Right Body, Wrong Time” ist nicht umsonst der titelgebende Track dieser EP: Der zunehmend dichter gewobene Beat erlaubt mit seiner drängenden 4er-Geradlinigkeit nur eine Richtung – auf den Floor. Und wieder reichen sich unvereinbar geglaubte Gegensätze die Hand, wenn Vokalakrobatik und gestrippte Rhythmik wie selbstverständlich ineinander greifen. B2 führt noch einmal zurück zur A-Seite und präsentiert die treibende Rhythmik und die herrlich verspielte Melodik von ”Childhood” ein weiters mal, hier allerdings mit ausgedehnteren Vokalpassagen und deren ätherisch-athmosphärischer Effektberarbeitung – dramatisch und gleichzeitig vollkommen entspannt und schwerelos.